Eine Wanderung auf den Mt. Wellington / kunanyi!

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Berglandschaft von der Spitze Mt. Wellingtons (oder "kunanyi" in der rekonstruierten Spache der tasmanischen Aboriginees)

Nach einem wundervollen Samstag, an dem wir das MONA und das Bonorong Wildlife Sanctuary besuchten, hatten wir uns für Sonntag, den 24. Februar eigentlich einen entspannten Tag vorgenommen, an dem ich vorhatte meine Hausarbeit fertig zu schreiben. Als jedoch am Samstagnachmittag Laura (eine andere Austauschstudentin aus Dortmund die wir in der Orientierungswoche kennenlernten) uns anschrieb und uns fragte, ob wir nicht eventuell mit ihr am Sonntag den Mt. Wellington hochwandern wollen würden, änderte sich dieser Plan. Nach kurzem Überlegen entschied ich mich dazu zu versuchen meine Hausarbeit noch am verbliebenen Samstag zu vollenden – was mir sogar gelang. Somit stand dem nächsten Abenteuer am folgenden Sonntag für mich nichts mehr im Wege.

 Am nächsten Morgen packten wir unsere Rucksäcke mit allem Notwendigen und machten uns gegen 10Uhr zunächst mit dem Bus auf den Weg zu Laura, welche in einer Siedlung am Fuße des Berges wohnt. Das Wetter hätte besser nicht sein können. Es war sonnig ohne erkennbare Wolken, aber auch nicht zu heiß – perfektes Wanderwetter! Als unser Bus bei Laura ankam, kam diese gerade aus ihrem Haus, so dass wir uns direkt auf den Weg machen konnten.

Mt.W Anfang Straße

Dort wollen wir ankommen: Die Spitze Mt. Wellingtons mit der großen Antenne

Das erste Stück des Weges führte eine Straße entlang bis zu einem Waldstück. In dem Wald wartete ein kurzer, jedoch dichtbewachsener Trampelpfad auf uns. Auf halbem Weg durch den Wald hielten wir kurz inne und lauschten. Wir hatten nämlich ein Rascheln ganz in der Nähe bei uns gehört und sahen nun in das dichte Dickicht, als wir plötzlich ein Wallabie entdeckten, welches uns neugierig aus sicherer Entfernung anschaute. Bei unserem Versuch näher heranzukommen, hüpfte es schnellen Fußes wieder davon in den dichten Wald hinein.

Nach dem Wald ging es zunächst eine ganze Weile eine Straße entlang, die immer mal wieder bergauf und bergab und um eine Kurve ging. Dabei mussten wir teilweise fast schon auf der Straße laufen, da es an dieser Stelle größtenteils keine Bürgersteige gab.

Nach gut einer dreiviertel Stunde erreichen wir endlich den richtigen Wanderpfad, welcher uns in den Wald hineinführt. Dort finden wir einen Weg vor, welcher mit ein paar teils ungeraden Steinen „gepflastert“ ist. Je weiter wir laufen, desto ungerader werden die Steine – und desto steiler wird der Weg.

Mt.W Brücke

Über Brücken...

Mt.W Baumstamm

...und durch dicke Baumstämme führt das erste Stückchen des Weges

Nach weiteren anderthalb Stunden erreichen wir einen Zwischenstopp, wo es einen Kiosk, WCs, und Picknicktische gibt. Da das letzte Stück bis zu dieser Stelle recht anstrengend war, entscheiden wir uns eine kleine Mittagspause zu machen und gehen dann zu einem Aussichtspunkt, der sich ganz in der Nähe des Zwischenstopps befindet. Da man von dort eine schöne Aussicht hat, machen wir schnell noch ein paar Fotos, bevor es auch schon weiter auf dem nächsten Pfad geht.

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Blick auf den Derwent River vom Aussichtspunkt beim Zwischenstopp

Dieser Pfad ist der letzte der uns zum Gipfel von Mt. Wellington führt und erweist sich als noch steiniger, unebener und steiler. Links neben uns ist die Steinwand des Berges und rechts sind die Klippen. Die Bäume hier sind deutlich lichter als auf den vorigen Pfaden und erlauben immer wieder eine tolle Aussicht auf Hobart und das Meer. So geht es ein ganzes Stück. Irgendwann nach fast einer Stunde anstrengenden Wanderns machen wir bei ein paar großen Felsen Pause und genießen für ein paar Momente die Aussicht.

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Kurze Pause. Irgendwo da unten sind wir losgegangen

Nachdem wir auch dort ein paar Fotos gemacht haben, geht es weiter. Das nächste Stück welches vor uns liegt, verläuft im Zickzack und ist nochmals etwas steiler und anstrengender. Kurz vor dem letzten Stück Weg, kommen uns ein paar Wanderer entgegen, von denen uns eine Frau mitteilt, dass der Weg gleich noch viel steiler werden wird – so motiviert man Leute…

Das letzte Stück hat es nochmal richtig in sich. Hier oben wo kaum noch Bäume wachsen und die wenigen die existieren nur sehr klein sind, kommt einem die Umgebung nochmal trockener und steiniger vorn. Der Weg hier ist unvorstellbarer Weise noch ein wenig steiler, was vor allem auch für die Klippen zu unseren Seiten gilt, so dass er an manchen Stellen fast schon etwas gefährlich wirkt. Zu dem kommt, dass man wegen der fehlenden Bäume der Sonne hier voll und ganz ausgeliefert ist. Nichts desto trotz bin ich alleine schon wegen der noch besseren Sicht und dem Bewusstsein, dass es fast geschafft ist, noch motivierter und komme mit der großen Antenne im Auge die in sichtbare Nähe gerückt ist, etwas schneller voran.

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Steil, steiler, am steilsten: ...

Mt.W Steinwand

...die Steinwände am oberen Teil Mt. Wellingtons

Oben angekommen fühle ich mich überraschenderweise gar nicht so erschöpft, sondern etwas elektrisiert es geschafft zu haben, da dies das erste Mal war, dass ich einen echten Berg hinaufgewandert bin. Von der Spitze Mt. Wellingtons kann man so weit sehen, dass ich den Horizont zum ersten Mal so extrem erblicke. Die Sicht auf Hobart, das Meer und die ringsherum liegenden Berge, ist einfach atemraubend.

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Die Antarktis in gefühlter Sichtweite: Blick auf das Meer von der 1,271m hohen Bergspitze

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Die Sicht auf Hobart von der Spitze (Im Bild: die Innenstadt Hobats, auch "CBD" (mitte), die Tasman Bridge (links) und der Rosny Hill Lookout (dazwischen) aus einem anderen Beitrag

Als wir uns etwas ausgeruht haben und in der Zwischenzeit jede Menge Fotos gemacht haben, beschließen wir gegen Halb Vier uns wieder auf den Weg zurück zu machen. Dazu nehmen wir denselben Weg wie zuvor und merken dabei, wie viel mühseliger es ist bergab, statt bergauf zu gehen. Als wir wieder beim Zwischenstopp angelangen, fällt uns auf, dass wir vermutlich unseren Bus nicht mehr erreichen werden, weshalb wir kurz überlegen, uns das letzte Stück fahren zu lassen. Da sich jedoch niemand finden lässt, der unseren Weg entlangfährt, gehen wir einfach weiter. Irgendwann, als wir wieder eine Straße erreichen, fällt uns nach gut einer halben Stunde, in der wir dieser Straße gefolgt sind auf, dass wir uns völlig verlaufen haben. Zu unserem großen Glück sehen just in diesem Moment zwei Kletterer, die gerade mit dem Auto an uns vorbeifahren, dass wir scheinbar etwas verloren sind. Kurzer Hand fahren sie an den Straßenrand und fragen uns, ob sie uns mitnehmen sollen, wozu wir selbstverständlich nicht „nein“ sagen. Da die beiden gerade vorhaben, sich auf dem Nachhauseweg noch kurz mit ein paar Freunden in einem nahgelegenen Lokal zu treffen, fahren wir zunächst dorthin. Dort hole auch ich mir spontan ein (sehr) leichtes Bier, bevor es nach etwas einer Halben Stunde weiter geht. Da Lauras Haus auf dem Weg liegt, steigt sie als erstes aus und kurz danach eine der beiden Kletterer. Zu guter Letzt fährt uns der andere noch zu unserem Hostel, sodass wir bereits gegen 19Uhr wieder Zuhause waren.

Um ein paar der über den Tag verlorengegangenen Kalorien wieder reinzuholen, holen wir uns noch am Abend zwei Pizzen, bevor ich vor Erschöpfung müde in mein Bett falle und wie ein Stein schlafe.

Mt. Wellington war mit Abstand das größte Highlight soweit. Der vorige Tag, an dem ich Koalas und Echidnas sehen und Kängurus füttern und streicheln konnte, scheint am Sonntagabend gefühlt schon mindestens eine Woche her zu sein.

Weitere Bilder:

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